Wenn die Mahnung an eine KI geht: So triggert man Priorität, Routing und Eskalation

Infografik eines futuristischen Rechenzentrums mit einer KI-Holografie, die eine überfällige Mahnung für die Kreditorenbuchhaltung priorisiert. (Gemini, Roessler ProResult)

Musste heute mal wieder eine Mahnung schreiben. Die E-Mail-Adresse für den Rechnungsversand ließ erkennen, dass ein Ticket-System, wahrscheinlich sogar eine KI, dahintersteckte. Wie könnte man also die KI triggern, eine Mahnung zu priorisieren oder gar an einen Menschen zu eskalieren?

Die Antwort ist weniger „Trick“ als Prozess-Kompatibilität: Ticket-Systeme und automatisierte Inbox-Assistenten priorisieren nicht nach Tonfall, sondern nach Identifizierbarkeit, Klarheit und Entscheidbarkeit. Wer das sauber liefert, landet eher oben im Stapel und damit schneller beim richtigen Menschen (Accounts Payable / Kreditorenbuchhaltung / Finance).

Was in KI-/Ticket-Inboxes wirklich passiert

Viele Unternehmen nutzen zentrale Adressen wie buchhaltung@, rechnung@, invoice@, billing@, accounts-payable@. Dahinter steckt häufig:

  • automatische Ticket-Erstellung
  • Klassifizierung (Thema: Rechnung, Mahnung, Lieferant, Stammdaten, PO, etc.)
  • Duplikat-Erkennung (Rechnungsnummer / Betrag / Datum / Absender)
  • Priorisierung nach Keywords, Fristen, Beträgen, Lieferantenstatus
  • Routing an Teams/Rollen (Buchhaltung, Einkauf, Finanzen)

Das Ziel ist also: In 15 Sekunden maschinen- und menschlich-eindeutig machen, worum es geht, zu welcher Rechnung, was jetzt passieren soll, bis wann – und was andernfalls prozessual folgt.

Die 10 Regeln für „KI-lesbare“ Mahnungen mit Eskalationswirkung

1) Betreff = Routing + Priorität + Zuordnung
Der Betreff sollte drei Dinge enthalten: Status, Rechnungsnummer, Frist.
Beispiele:
ZAHLUNG ÜBERFÄLLIG – Rechnung RE-2026-0147 – fällig 15.02.2026 – Frist 03.03.2026
Overdue payment – Invoice RE-2026-0147 – Action required by 2026/03/03
FINAL NOTICE – Invoice RE-2026-0147 – payment due by 2026/03/03 5pm (CET)

2) Ganz oben: ein „Routing-Block“ wie ein Formular
Ticket-Systeme scannen oft die ersten Zeilen.
Routing-Block (Copy & Paste):
Rechnung: RE-XXXX
Betrag: X.XXX,XX EUR (brutto)
Fällig seit: TT.MM.JJJJ
Neue Frist: TT.MM.JJJJ, 17:00 (CET)
Zahlung an: IBAN … | Empfänger … | Verwendungszweck: RE-XXXX
Bitte per Reply bestätigen: Zahlungsdatum oder Zahlungsbeleg

3) Ein klarer Call-to-Action, kein Roman
Ein Satz reicht:
„Bitte veranlassen Sie die Zahlung bis [Datum/Uhrzeit] oder bestätigen Sie Zahlungsdatum/Zahlungsbeleg per Reply.“

4) Eskalation als Standardprozess, nicht als Drohung, keine Emotion
„Wenn bis zur Frist kein Zahlungseingang oder keine belastbare Zahlungsbestätigung vorliegt, erfolgt gemäß Standardprozess: …“

5) Die Zielrolle exakt benennen, nicht „jemanden“
Hilft beim Routing:
„Bitte an Accounts Payable / Kreditorenbuchhaltung weiterleiten.“
„Alternativ an Credit Control / Finance Lead.“

6) Die Zahlung maximal vereinfachen
IBAN + Empfänger + Verwendungszweck in einer Zeile
Rechnung als PDF anhängen (und ideal: im Dateinamen RE-XXXX_Betrag_Datum.pdf)
Wenn es gibt: Bestell- oder PO-Nummer, Lieferanten-/Vendor-ID direkt in den Block

7) „Beweisfähigkeit“ ohne Diskussion
Kurz anbieten: „Bei Rückfragen zu Bestellung/PO/Wareneingang/Lieferantenanlage/Vendor-Setup liefern wir die fehlenden Angaben sofort.“

8) Thread-Kontinuität
Wenn schon mal geschrieben wurde: im selben Thread antworten/mahnen. Systeme verknüpfen Threads.

9) Konkret bleiben
„Rechtliche Schritte“ nur nennen, wenn man gewillt ist, sie tatsächlich einzuleiten – und lieber konkret mit Prozessstufen arbeiten.

10) Ton
ruhig, professionell, nicht „nett-unverbindlich“
Die Mail soll bearbeitbar wirken, nicht sympathisch.

Typische Blocker, wegen denen Rechnungen „hängen bleiben“

Wenn man diese Punkte proaktiv abdeckt, spart man oft Tage:

  • Bestell-Nr./ PO fehlt / falsch
  • Wareneingang/Abnahme nicht gebucht
  • Vendor-Setup (Lieferantenstammdaten) unvollständig
  • Bankdatenänderung triggert Fraud-Check
  • Rechnungskopie fehlt/ falsches PDF
  • Verwendungszweck unklar → Zahlung nicht zuordenbar
  • Leistungszeitraum fehlt
  • UstID und/ oder StNr fehlt
  • Rechnungsadresse falsch

Tipp: Wenn der Kunde Bestell-Nr/ PO-basiert arbeitet, zusätzlich Bestell-Nr./ PO + Projekt/Cost Center in den Routing-Block.

Faktenbox: KI-basierte Mahnbearbeitung

Kernaspekte der KI-lesbaren Mahnung

Moderne Ticket-Systeme und KI-Inboxes in der Buchhaltung (Accounts Payable) priorisieren Dokumente nicht nach Emotionen, sondern nach Prozess-Kompatibilität.

  • Priorisierung: Erfolgt durch Identifizierbarkeit (Rechnungsnummer), Klarheit (Fristen) und Entscheidbarkeit (Zahlungsdaten).
  • Routing-Block: KI-Systeme scannen bevorzugt die ersten Zeilen einer E-Mail. Ein kompakter Block mit Rechnungsnummer, Betrag, Fälligkeit und IBAN beschleunigt die Zuordnung massiv.
  • Betreff-Logik: Ein strukturierter Betreff (Status + RE-Nummer + Frist) ermöglicht die automatische Klassifizierung und verhindert das „Hängenbleiben“ im System.
  • Zielrolle: Die explizite Nennung der Abteilung (z. B. Kreditorenbuchhaltung) unterstützt das automatisierte Routing an den richtigen menschlichen Bearbeiter.
  • Vermeidung von Blockern: Vollständige Angaben zu PO-Nummern, Lieferanten-IDs und korrekte PDF-Dateinamen reduzieren automatisierte Fehlermeldungen (z. B. Fraud-Checks).
Klaus Rössler, Roessler ProResult

 

Download Checkliste Mahnung an KI senden: 10 Regeln für Priorität & Eskalation

 

Prompt zur Erstellung einer Mahnung an eine KI

  1. Rechnung hochladen
  2. Prompt:
    				
    					ROLLE
    Du bist ein Debitoren- & Zahlungsprozess-Assistent. Dein Ziel: eine Mahnung erstellen, die in Ticketing-/KI-Inboxes zuverlässig geroutet und priorisiert wird (Accounts Payable/Kreditorenbuchhaltung), ohne aggressive Drohungen, sondern als klarer Standardprozess.
    
    AUFGABE
    1) Lies die bereitgestellte Rechnung (Text/PDF-OCR) aus.
    2) Extrahiere alle relevanten Felder.
    3) Erstelle daraus eine Mahnung (E-Mail) inkl.:
    
    3 Betreff-Varianten (passend für Ticket-Systeme)
    Routing-Block (Formularstil, ganz oben)
    Klarer CTA + Frist (Datum + Uhrzeit + Zeitzone)
    If/Then-Eskalationslogik als Prozessstufen
    Hinweis zur Zuständigkeit (Forward an Accounts Payable/Kreditorenbuchhaltung)
    Hinweis zu Anhängen / Referenzen
    4) Prüfe, ob wichtige Angaben fehlen (z.B. PO, Vendor-ID, Bankdaten, Verwendungszweck). Wenn ja:
    Stelle gezielte Rückfragen ODER setze sauber markierte Platzhalter [BITTE ERGÄNZEN].
    5) Gib zusätzlich eine 1-Minuten-Checkliste aus, mit der der Nutzer die Mail vor dem Versand validiert.
    
    EINGABEN (vom Nutzer ausfüllen)
    
    Mahnstufe: [1. Mahnung | 2. Mahnung | Final Notice]
    Heutiges Datum (CET): [TT.MM.JJJJ]
    Neue Frist: [TT.MM.JJJJ, 17:00 CET] ODER “in X Werktagen”
    Eskalations-Policy (nur auswählen, was wirklich zutrifft):
    [ ] Leistungs-/Lieferstopp möglich (vertraglich vorgesehen)
    [ ] Meldung an Kreditauskunft
    [ ] Übergabe an Inkasso / rechtliche Schritte (nur wenn real)
    Tonalität: [ruhig-professionell | knapp-direkt | kooperativ-klar]
    Zahlungsweg: [nur IBAN | Payment-Link vorhanden | beides]
    Optional: Bekannte interne Referenzen des Kunden (falls vorhanden):
    PO-Nummer:
    Vendor-ID:
    Kundennummer:
    Projekt/Cost Center:
    Optional: Vorherige Kontaktversuche:
    Datum der letzten Erinnerung:
    Thread fortsetzen? [ja/nein]
    
    AUSGABENFORMAT (bitte exakt so liefern)
    
    A) EXTRAKTION (zur Prüfung)
    
    Rechnungsaussteller (Vendor): …
    Rechnungsempfänger (Customer): …
    Rechnungsnummer: …
    Rechnungsdatum: …
    Fälligkeitsdatum: …
    Betrag brutto / netto / MwSt: …
    Währung: …
    Zahlungsziel / Terms: …
    Bankdaten (IBAN/BIC/Empfänger): …
    Verwendungszweck / Referenz: …
    PO-Nummer / Vendor-ID / Kundennummer: …
    Leistungs-/Lieferreferenzen (falls vorhanden): …
    Hinweise auf Fraud-Checks / Bankdatenänderung (falls ersichtlich): …
    FEHLT / UNKLAR (Liste): …
    
    B) ROUTING-BLOCK (copy/paste-fertig; ganz oben in die Mail)
    
    Rechnung: …
    Betrag: …
    Fällig seit: …
    Neue Frist: …
    Zahlung: “IBAN … | Empfänger … | Verwendungszweck: …” (alles in einer Zeile)
    Bitte per Reply bestätigen: Zahlungsdatum oder Zahlungsbeleg
    Optional: PO / Vendor-ID / Kundennummer / Projekt
    
    C) BETREFF (3 Varianten)
    1) …
    2) …
    3) …
    
    D) MAHNMAIL (fertig sendbar)
    
    Rechnung: …
    Betrag: …
    Fällig seit: …
    Neue Frist: …
    Zahlung: “IBAN … | Empfänger … | Verwendungszweck: …” (alles in einer Zeile)
    Bitte per Reply bestätigen: Zahlungsdatum oder Zahlungsbeleg
    Optional: PO / Vendor-ID / Kundennummer / Projekt
    Anrede neutral (“Hallo,”) oder falls Name erkennbar, personalisiert.
    1 Satz Status: kein Zahlungseingang festgestellt.
    1 Satz CTA: Zahlung bis Frist oder Zahlungsdatum/Beleg.
    If/Then Standardprozess (max. 3 Bulletpoints, passend zur Eskalations-Policy).
    Zuständigkeit: Bitte an Accounts Payable/Kreditorenbuchhaltung weiterleiten; ggf. an Credit Control.
    Hinweis: Rechnung als PDF im Anhang; Rückfragen zu PO/Wareneingang/Vendor Setup sofort lieferbar.
    Grußformel + Signaturplatzhalter.
    
    E) OPTIONAL: ENGLISCHE KURZVERSION (falls internationale AP)
    
    Subject + kurzer Text (max. 10 Zeilen)
    
    F) 1-MINUTE QUALITY CHECK
    
    Betreff enthält Status + Rechnungsnr. + Frist
    Routing-Block enthält Betrag, Fälligkeit, neue Frist, Zahlung (eine Zeile), Referenzen
    CTA ist eindeutig (Zahlen ODER Zahlungsbestätigung)
    Eskalation ist Prozess, keine leeren Drohungen
    Anhänge erwähnt, Dateinamen empfohlen
    
    QUALITÄTSREGELN
    
    Keine aggressiven Formulierungen, keine leeren Drohungen.
    Keine juristischen Behauptungen, die nicht gesichert sind.
    Fristen immer als konkretes Datum + Uhrzeit + “CET”.
    Schreibe so, dass Ticket-Systeme scannen können: kurze Sätze, klare Labels, Bulletpoints.
    Wenn Daten fehlen: Platzhalter [BITTE ERGÄNZEN] statt Raten.
    				
    			
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